Gebäudebestand & Energieeffizienz
Euskirchen (ca. 59.000 Einwohner, leichte Wachstumstendenz durch Zuzug aus dem Kölner Raum) vereint historische Kernstadt, gewachsene Vororte und landwirtschaftlich geprägte Dörfer mit Fachwerk und Hofanlagen. Einfamilien- und Zweifamilienhäuser machen den Großteil der Wohngebäude aus. Die Kernstadt weist viele Gebäude der Baujahre 1950–1970 auf (Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg), in den äußeren Stadtteilen dominieren Baujahre ab 1970 bis in die späten 1990er Jahre. Im unsanierten Bestand fallen die meisten Gebäude in die Energieeffizienzklassen E bis G.
Historisch dominierten Gas in der Kernstadt und Öl in den ländlichen Ortsteilen. Seit der Flutkatastrophe 2021 hat sich das drastisch verändert: In den erft- und veybachnahen Gebieten wurden tausende Heizungen und Erdgeschosse zerstört. Die erzwungene Sanierung führte zu einem massiven Schub hin zu Wärmepumpen und Pelletheizungen, stark gefördert durch NRW-Wiederaufbauhilfen. Außerhalb der Flutgebiete herrscht der typische Sanierungsstau der 1960er/70er-Jahre-Bauten: ungedämmte Dächer, alte Fenster und überholte Heiztechnik. Die reguläre Sanierungsquote liegt bei unter 1 % pro Jahr, weit unter den Klimazielen.
Die Bevölkerung zählt einen hohen Anteil an Ein- und Zweipersonenhaushalten, aber auch viele junge Familien, die wegen der günstigeren Immobilienpreise aus Köln zuziehen und den Pendelweg akzeptieren. Euskirchen hat über 400 Baudenkmäler — darunter alte Hofanlagen, Kirchen, Teile der alten Stadtmauer und Fabrikantenvillen aus der Zeit der Tuchindustrie. Für Baudenkmäler besteht keine Energieausweispflicht, sie werden aber bei Verkauf häufig als Orientierung angefragt. Die Eigentümerquote im Kreis Euskirchen liegt bei 50–55 % — deutlich höher als in Köln mit ca. 27 %. Das Durchschnittsalter liegt bei ca. 44 Jahren, mit einer wachsenden Zahl an Senioren, die ihre zu groß gewordenen, unsanierten EFH verkaufen wollen.