Gebäudebestand & Energieeffizienz
Erftstadt (ca. 50.000 Einwohner, stabil mit Zuzug aus Köln) ist klassisch suburban und ländlich geprägt — es dominieren eindeutig freistehende Einfamilienhäuser und Zweifamilienhäuser, gefolgt von Reihenhäusern. Größere Mehrfamilienhäuser sind die absolute Ausnahme und finden sich nur vereinzelt im Zentrum von Liblar. Der Großteil des Gebäudebestands stammt aus den 1960er bis späten 1980er Jahren, der Boom-Phase des Kölner Speckgürtels. In den alten Ortskernen von Lechenich und Gymnich gibt es zusätzlich historische Bausubstanz mit Fachwerk, Burgen und Mühlen.
Der durchschnittliche unsanierte Altbau (Baujahre 1960–1980) bewegt sich in den Energieeffizienzklassen F bis H. Die Sanierungsquote liegt bei den bundesüblichen unter 1 % pro Jahr. Im nicht von der Flut betroffenen Teil der Stadt besteht der typische Sanierungsstau: ungedämmte Dächer, alte Fenster und veraltete Gasheizungen. Im ländlichen Außenbereich sind Ölheizungen noch weit verbreitet — hier besteht durch das GEG akuter Handlungsbedarf beim schrittweisen Austausch fossiler Heizungen. Fernwärme spielt aufgrund der zersiedelten Struktur Erftstadts kaum eine Rolle — die Zukunft gehört dezentralen Lösungen wie Wärmepumpen und Pelletheizungen.
Eine Besonderheit macht Erftstadt einzigartig: Die Flutkatastrophe 2021 traf die Ortsteile Blessem und Bliesheim massiv. Dort wurden in den Folgejahren tausende alte Öl- und Gasheizungen durch moderne Systeme (oft Wärmepumpen) ersetzt, Erdgeschosse kernsaniert und neue Dämmungen eingebaut. Paradoxerweise finden sich in diesen Gebieten nun Cluster mit sehr guten Energiewerten im Altbau. Eigentümer in den Flutgebieten benötigen dringend neue Energieausweise, da die alten den sanierten Zustand nicht mehr widerspiegeln — und ein aktualisierter Ausweis den Immobilienwert beim Verkauf massiv steigern kann.