Gebäudebestand & Energieeffizienz
Dormagen (ca. 65.000 Einwohner) ist stark durch seine industrielle Historie geprägt — der Chempark (ehemals Bayer) mit Unternehmen wie Covestro und Arlanxeo zog in der Nachkriegszeit tausende Arbeiterfamilien an. Der massive Bauboom zwischen 1950 und 1970 prägt den Gebäudebestand bis heute. Ein Großteil der Wohngebäude ist älter als 40 Jahre, viele davon Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäuser, die für Arbeiter und Angestellte der Industrie gebaut wurden. In Dormagen-Mitte und Hackenbroich finden sich zusätzlich größere Mehrfamilienhäuser und Geschosswohnungsbauten. Die Bevölkerung ist stabil bis leicht wachsend — der Zuzug aus den Großstädten Köln und Düsseldorf kompensiert den demografischen Wandel.
Der durchschnittliche unsanierte Altbau bewegt sich in den Energieeffizienzklassen E bis G — nur Neubauten ab ca. 2010 erreichen durchgängig A oder B. Die Sanierungsquote liegt bei unter 1 % pro Jahr, weit entfernt von den für die Klimaziele erforderlichen 2–3 %. Typische Mängel sind ungedämmte Fassaden, veraltete Fenster und überholte Heiztechnik. Erdgas dominiert als Heizungsart — die Energieversorgung Dormagen (evd) betreibt ein starkes Gasnetz. Ölheizungen sind in den ländlicheren Ortsteilen wie Straberg und Gohr noch verbreitet, Wärmepumpen finden sich fast ausschließlich in Neubauten.
Für Wohngebäude mit bis zu 4 Wohneinheiten, die vor der 1. Wärmeschutzverordnung (1977) erbaut und nicht energetisch saniert wurden, ist bei Verkauf ein Bedarfsausweis gesetzlich verpflichtend. In Dormagen betrifft das einen erheblichen Teil des Bestandes — die Sanierungsquote müsste für die Klimaziele bei 2–3 % liegen, ist aber viermal niedriger. Die mittelalterliche Zollfeste Zons — das „Rheinische Rothenburg" — bildet eine Ausnahme: Dort gibt es eine hohe Dichte an denkmalgeschützten Gebäuden, die von der Energieausweispflicht nach GEG befreit sind und bei denen energetische Sanierungen streng reglementiert werden.