Ratgeber

Heizungstausch in Köln: Die frühere 65-Prozent-Regel (früher § 71 GEG)

Heizungstausch in Köln: Die frühere 65-Prozent-Regel (früher § 71 GEG)
Stephan Grosser, Energieausweis-Experte Köln
Stephan Grosser Immobilienexperte für Energieausweise seit 2018

Die 65-Prozent-Regel für neue Heizungen (früher § 71 GEG) ist seit 29. Juli 2026 entfallen. Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, bis Juli 2026 Gebäudeenergiegesetz) streicht die §§ 71 bis 73. Es gilt Technologieoffenheit: Sie wählen die Heizung frei. Eine funktionierende Heizung müssen Sie nicht anfassen. Und ein Tausch verbessert meist Ihren Energieausweis.

Ich baue keine Heizungen ein, ich stelle Energieausweise aus. Aber kaum ein Thema landet häufiger bei mir als der Heizungstausch, weil er direkt auf die Effizienzklasse durchschlägt. Kölner Eigentümer aus Sülz oder Lindenthal fragen mich, ob die 65-Prozent-Regel noch gilt. Diese Seite bleibt als Einordnung stehen, weil die Regel noch oft zitiert wird.

Gilt die 65-Prozent-Regel in Köln noch?

Nein. Artikel 1 Nummer 32 des GModG streicht die §§ 71 bis 73 des früheren Gebäudeenergiegesetzes. Damit entfällt die Pflicht, neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben, seit 29. Juli 2026. Das gilt in Köln wie überall.

Mit dem Wegfall hängt auch die frühere Austauschpflicht für alte Kessel (früher § 72) nicht mehr am Gesetz. Wer seine Gasheizung warten oder reparieren lässt, bleibt ohnehin außen vor. Bestehende Heizungen dürfen weiterlaufen.

Frühere RegelStand seit 29. Juli 2026
65-Prozent-Erneuerbaren-Pflicht für neue Heizungen (früher § 71 GEG)entfallen, Technologieoffenheit
Kessel-Austauschpflicht und Betriebsverbot (früher § 72 GEG)entfallen
Dämmung der obersten Geschossdecke (§ 35 GModG)gilt weiter
Dämmung ungedämmter Leitungen (§ 69 GModG)gilt weiter

Was hat die kommunale Wärmeplanung in Köln damit zu tun?

Die kommunale Wärmeplanung ist ein eigenes Gesetz, das Wärmeplanungsgesetz (WPG). Sie zeigt, wo Fernwärme oder dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen vorgesehen sind. Sie ist eine Orientierung für Ihre nächste Heizung, keine Voraussetzung für eine 65-Prozent-Pflicht.

Die Details der Wärmeplanung und was sie für einzelne Kölner Veedel bedeutet, vertiefe ich in Kommunale Wärmeplanung Köln.

Wärmepumpe oder Fernwärme, was passt in Köln?

Das entscheidet Ihr Standort. In der Innenstadt, in Deutz und in Teilen von Ehrenfeld und Nippes verdichtet die RheinEnergie ihr Fernwärmenetz, eines der größten Deutschlands. Wo kein Anschluss absehbar ist, kommt meist eine Wärmepumpe infrage. Der Wärmeplan zeigt, was für Ihre Straße realistisch ist.

Köln hat einen echten Standortvorteil. Das Fernwärmenetz ist groß und wird weiter ausgebaut.

In Köln-Niehl entsteht sogar eine der größten Flusswasser-Wärmepumpen Europas, die ab 2028 zehntausende Haushalte mit Wärme aus dem Rhein versorgen soll. Das drückt den erneuerbaren Anteil der Fernwärme weiter nach oben.

Für Gebiete ohne Fernwärme-Perspektive bleibt die Wärmepumpe die naheliegende Wahl, als Luft- oder Erdwärmepumpe. Welche Option für Ihr Haus trägt, hängt von Dämmzustand, Heizflächen und Platz ab. Ob sich der ganze Schritt lohnt, rechne ich im Zusammenhang in Energetische Sanierung im Kölner Altbau durch.

Ein Rat aus der Praxis: Prüfen Sie den Fernwärme-Check der RheinEnergie, bevor Sie eine Wärmepumpe planen. Liegt Ihr Grundstück in einem Verdichtungsgebiet, kann der Anschluss günstiger und einfacher sein als eine eigene Anlage. Umgekehrt lohnt in Randlagen wie Teilen von Rodenkirchen oder Porz die Wärmepumpe oft mehr, weil das Netz dort auf Jahre nicht kommt.

Wie wirkt sich der Heizungstausch auf den Energieausweis aus?

Meist sehr deutlich. Wärmepumpe und Fernwärme haben einen niedrigen Primärenergiefaktor. Dadurch sinkt der berechnete Primärenergiebedarf stark, oft um zwei bis drei Effizienzklassen, etwa von F auf C oder B. Das gelingt häufig sogar ohne zusätzliche Dämmung der Fassade.

Hier wird mein Thema und Ihr Heizungsthema zu einem. Der Energieausweis rechnet nicht die Kilowattstunden, die aus dem Zähler kommen, sondern die Primärenergie dahinter.

Eine alte Ölheizung hat einen hohen Faktor, eine Wärmepumpe einen sehr niedrigen. Genau dieser Sprung macht im Ausweis den Unterschied.

Sie tauschen die Heizung und wollen die bessere Klasse schwarz auf weiß? Lassen Sie den Energieausweis bestellen mit den neuen Anlagendaten neu erstellen. Ich nehme Heizung und Warmwasser telefonisch oder per Foto auf, ganz ohne Termin.

Eine bessere Klasse ist längst mehr als ein Etikett. Banken und Käufer schauen auf die Effizienzklasse, und ein Haus in A+ bis C verkauft und beleiht sich besser als eines in F oder G.

Muss ich meinen Energieausweis nach dem Heizungstausch erneuern?

Pflicht ist es nicht. Ihr bestehender Ausweis bleibt seine vollen zehn Jahre gültig, auch nach dem Heizungstausch. Sinnvoll ist die Neuausstellung trotzdem, weil der alte Ausweis noch die schlechtere Klasse der Altheizung zeigt. Beim Verkauf oder bei der Vermietung ist die neue, bessere Klasse bares Geld wert.

Ein Ausweis dokumentiert den Zustand zum Zeitpunkt der Erstellung. Steht dort noch die alte Gasheizung, profitiert niemand von Ihrer Investition.

Deshalb lohnt der neue Ausweis genau dann, wenn Sie den Vorteil zeigen wollen: im Inserat, beim Notartermin, gegenüber der Bank. Wer die Heizung modernisiert, aber den alten Ausweis behält, verschenkt das beste Verkaufsargument.

Für Nichtwohngebäude kommt mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz zudem die neue A-G-Skala, die voraussichtlich ab Anfang 2027 greift. Wohngebäude behalten ihre Skala von A+ bis H. Bestehende Ausweise bleiben davon unberührt und gelten ihre zehn Jahre weiter.

Fazit: Erst die Heizung, dann der Ausweis

Die 65-Prozent-Regel gibt es seit 29. Juli 2026 nicht mehr, Sie wählen Ihre Heizung frei. Wer tauscht, gewinnt fast immer zwei bis drei Effizienzklassen im Energieausweis. Und diese Klasse entscheidet über Verkaufspreis und Finanzierung. Für Ausweise gilt ab 1. Januar 2027 das neue Ausweisrecht des GModG.

Mein Job beginnt, wenn Ihrer endet: Sobald die neue Heizung steht, halte ich den Fortschritt im Energieausweis fest. Das ist der Beleg, der aus einer Investition einen sichtbaren Wert macht.

Wenn Sie die neue Klasse dokumentieren lassen wollen, schicken Sie mir die Anlagendaten über den Energieausweis bestellen. Wir erstellen den Ausweis mit DIBt-Registriernummer, zum Festpreis und in der Regel innerhalb von 24 Stunden.

Quellen und weiterführende Seiten

Häufige Fragen

Gilt die 65-Prozent-Regel für Bestandsgebäude in Köln noch?

Nein. Die frühere Pflicht, neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben (früher § 71 GEG), ist seit 29. Juli 2026 entfallen. Artikel 1 Nummer 32 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG, bis Juli 2026 Gebäudeenergiegesetz) streicht die §§ 71 bis 73. Es gilt Technologieoffenheit, auch in Köln.

Muss ich meine funktionierende Gasheizung austauschen?

Nein. Bestehende Heizungen dürfen weiterlaufen und repariert werden. Die frühere Austauschpflicht für alte Kessel (früher § 72 GEG) ist seit 29. Juli 2026 ebenfalls entfallen.

Verbessert ein Heizungstausch meinen Energieausweis?

Ja, meist deutlich. Wärmepumpe und Fernwärme haben einen niedrigen Primärenergiefaktor. Der berechnete Primärenergiebedarf sinkt stark, oft um zwei bis drei Effizienzklassen, etwa von F auf C. Das steigert den Marktwert der Immobilie spürbar.

Welche Heizung passt in Köln, Wärmepumpe oder Fernwärme?

Das hängt vom Standort ab. In Innenstadt, Deutz und Teilen von Ehrenfeld und Nippes verdichtet die RheinEnergie das Fernwärmenetz. Wo kein Anschluss möglich ist, kommt meist eine Wärmepumpe infrage. Der Wärmeplan der Stadt zeigt, was für Ihre Straße realistisch ist.

Stephan Grosser, Energieausweis-Experte Köln
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